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Nachrichten Sonntag, 14. Juni 2020 (1. Sonntag nach Trinitatis)

Meditativer Impuls für den Küchentisch

  

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute Morgen finden Sie eine Lesepredigt von Pfarrerin Imke Leipold in Ihrem Briefkasten. Wir wünschen Ihnen einen gesegneten Sonntag und bleiben Sie gesund!
  
Ihre Heike Schulze-Wegener


Lesung Apostelgeschichte 4, 32-37

32 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.

33 Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.

34 Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Äcker oder Häuser besaß, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte

35 und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.

36 Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig,

37 der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

   

Auslegung

„Ein Herz und eine Seele“ sein und so miteinander leben und das Leben teilen, das ist ein großer Traum. So, wie in der Apostelgeschichte

beschrieben, müsste eine Gemeinschaft sein, in der die Menschen selbstlos und friedlich leben und aufeinander achtgeben und füreinander da sind.

Doch das Idyll trügt. Nur ein paar Verse vorher ist von Bedrängnis und Gefängnis die Rede. Keine heile, angstfreie Welt.

Amira ist 16 Jahre alt und sie kennt Angst, Angst weil ihre Hautfarbe nicht weiß ist.

Amira ist US-Amerikanerin und als Austauschschülerin in Deutschland. Sie ist froh, in Deutschland zu sein. Ihre Lebensangst ein wenig hinter sich zu lassen.

Ganz verschwunden ist ihre Angst aber nicht. Auch hier in Hessen wurde ihr schon auf der Straße das „N-Wort“ hinterhergerufen.

Von Kindheit an ist ihr beigebracht worden, wie sie sich in Gefahr zu verhalten hat oder wenn die Polizei kommt (denn diese ist auch eine Gefahr):

Die Arme und die geöffneten Hände nach vorne strecken, um zu zeigen, ich bin unbewaffnet, von mir geht keine Gefahr aus, ich ergebe mich.

„Kein Weißer muss dies lernen“, sagt sie. „Für uns hingegen ist das überlebenswichtig“. Wenn sie spricht, spürt man ihre innere Erregung.

Sie erzählt, dass ihr 18jähriger Bruder misstrauisch beobachtet wird, sobald er ein Geschäft betritt. Weißen passiert das nicht automatisch. Sie werden auch beim Verlassen des Ladens nicht nach einem Kassenbeleg gefragt.

Weiße haben nicht solche Furcht, in eine Polizeikontrolle zu geraten.

Wie kommt es dazu, dass allein die dunkle Hautfarbe für Gefährdung steht?

Die erste Frage, die Amira in Deutschland immer gestellt wird, ist: „Hast du einen Vater?

Alle glauben, ich hätte keinen Vater , sie denken, die schwarzen Männer würden ihre Familien immer verlassen, nicht bleiben…“

„Das ist Rassismus“ sagt Amira. „Dass ich das immer und immer gefragt werde.“ Keiner weißen Austauschschülerin würde diese Frage gestellt werden.

Am Wochenende ist eine große Demonstration in Frankfurt. Sie wird nicht hingehen. Sie hat Angst.

„Du musst als Afroamerikaner immer auf der Hut sein“- diesen Satz sagt Jamal Joseph. 1967 war er 15 Jahre alt. Trat in die Black Panther Party ein. Ein Jahr später, da war er so alt wie Amira jetzt - kam er ins Gefängnis.

Amira sieht sich alle Videos der letzten Tage an. Auch das Video, das zeigt, wie ein Polizist minutenlang auf dem Nacken des Afroamerikaners George Floyd kniete.

Seit seinem Tod herrscht Aufruhr, kommt es überall in den Vereinigten Staaten zu Protesten, Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Immer wieder sind es Bilder, die bewegen:

- Demonstranten, die vor Gewehrmündungen knieen
- aber auch Polizisten, die vor Demonstranten knieen
- Menschen, die Geschäfte plündern 
- Häuser und Autos, die in Flammen stehen
- Demonstranten mit dem Schild „Black Lives matter“ - (Schwarze Leben zählen)

Die meisten Demonstranten und ihre Proteste sind friedlich. Weiße und Schwarze gehen gemeinsam gegen Rassismus auf die Straße. Auch Polizisten solidarisieren sich. Nicht überall, aber doch gibt es hier und da Zeichen des Friedens. Vereint in der Trauer, teilt man die Trauer. Gemeinsam singen sie, liegen sie Seite an Seite nebeneinander auf dem Boden.

„Ein Herz und eine Seele“.

Ja, wenn die Menschen das endlich leben könnten! Besitz teilen, Jeder achtet auf den anderen. Keiner denkt nur an sich und seinen Vorteil, ist nicht darauf bedacht, die eigene Hautfarbe zu retten.

Die Bilder bewegen, wenn Polizisten ihr Herz und ihre Seele Demonstranten vor die Füße lagen.

So wie Barnabas – Sohn des Trostes - alles verkauft und es den Aposteln zu Füßen legt. AMEN

  

Fürbitten mit Text aus EG+ 76 Behüte Gott, die ich dir anbefehle

Behüte, Gott, die ich dir anbefehle,
die mir verbunden sind und mir verwandt.
Erhalte sie gesund an Leib und Seele
und führe sie mit deiner guten Hand.

Sie alle, die mir ihr Vertrauen schenken,
und die mir so viel Gutes schon getan
In Liebe will ich dankbar an sie denken,
o Herr, nimm dich in Güte ihrer an.

Um manchen Menschen mache ich mir Sorgen
und möcht ihm helfen, doch ich kann es nicht.
Ich wünschte nur, er wär bei dir geborgen
und fände aus dem Dunkel in dein Licht.

  

Vater Unser



  



Erstellt am Sonntag, 14. Juni 2020
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 23. Juli 2020